Kategorie: Allgemein

Opferschutz im Referendariat

Seit Januar 2023 gehören die Themen Psychosoziale Prozessbegleitung, Nebenklage und Täter-Opfer-Ausgleich in Niedersachsen zur juristischen Ausbildung. Neben theoretischen Inhalten werden auch praktische Kompetenzen im Umgang mit den Betroffenen vermittelt.

Eine Entwicklung zum Nachahmen findet der Bundesverband!

 

Justizministerium Niedersachsen / 07.12.2022
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Opferschutz im Referendariat
Juristische Ausbildung wird erweitert / Forderung von Experten wird umgesetzt
Niedersachsen integriert das Thema „Opferschutz“ ab Januar 2023 in die juristische Ausbildung. Angehenden Juristinnen und Juristen werden im Rechtsreferendariat künftig die Grundlagen des Opferschutzes vermittelt.
Hierzu gehören insbesondere Kenntnisse bestehender Vorschriften zur Nebenklage, zum Täter-Opfer-Ausgleich und zur psychosozialen Prozessbegleitung. Zugleich sollen praktische Kompetenzen im Umgang mit Opferzeugen vermittelt werden.
Niedersachsens Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann sagt: „Ich weiß aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung, dass Opfer von Straftaten das gerichtliche Strafverfahren häufig als zusätzliche Belastung erleben. Mir ist es wichtig, dass Juristinnen und Juristen bereits in der Ausbildung lernen, wie wichtig der Opferschutz in der täglichen Arbeit sein kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob man als Richterin, Staatsanwalt oder Anwältin arbeitet. Wichtig ist eine traumasensible Kommunikation. Wir müssen verhindern, dass Opfer von Straftaten vor Gericht zum zweiten Mal zum Opfer werden.“
Die neuen Ausbildungsinhalte werden in die sog. Strafstation bei der Staatsanwaltschaft integriert. Im Rahmen des zweijährigen juristischen Vorbereitungsdienstes durchlaufen Referendarinnen und Referendare verschiedene Stationen bei Gericht, Staatsanwaltschaft, Rechtsanwaltschaft und Verwaltung.
Mit der Verankerung des Opferschutzes in der Ausbildung der Referendarinnen und Referendare setzt das Niedersächsische Justizministerium eine Vorgabe der Opferschutzrichtlinie um, die die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zur Schulung und Weiterbildung von Personen verpflichtet, die beruflich Kontakt mit Opfern von Straftaten
haben.
Sie geht zudem auf die Forderung zahlreicher Kommissionen zurück, die sich in der Vergangenheit mit dem Problem der sexualisierten Gewalt gegen Kinder befasst haben.
Zuletzt hat die Enquetekommission des Niedersächsischen Landtages zur Verbesserung des Kinderschutzes und zur Bekämpfung von Missbrauch und sexueller Gewalt an Kindern in ihrem Abschlussbericht die Empfehlung ausgesprochen, dass das Thema der sexualisierten Gewalt gegen Kinder in die Ausbildung juristischer Berufe aufgenommen wird.

Weitere Informationen zum Rechtsreferendariat in Niedersachsen finden Sie hier: Juristischer Vorbereitungsdienst | Nds. Landesjustizportal (niedersachsen.de)

Handbuch Psychosoziale Prozessbegleitung

Andrea Behrmann                erschienen im Juni 2022
Klaus Riekenbrauk               
über 1000 Seiten. Gebunden.
Iris Stahlke
                             Kosten: 119,00 Euro 
Gaby Temme (Hrsg.)
            ISBN 78-3-8474-2587-8

 

 

Psychosoziale Prozessbegleiter*innen benötigen für ihre Tätigkeit Kenntnisse aus den Bereichen Viktimologie, Kriminologie, Recht, Psychologie und
Medizin sowie Theorie und Praxis der Psychosozia
len Prozessbegleitung. Genau diese Kenntnisse sollen im vorliegenden Handbuch vermittelt werden.
Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen stellen die
relevanten Wissensbestände dar. Neben allgemeinen, einführenden Beiträgen werden die thematischen Schwerpunkte Sexualstraftaten, Vorurteilskriminalität, Menschenhandel, Häusliche Gewalt und Stalking sowie in ihren Besonderheiten die Zielgruppen Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Benachteiligungen/Behinderung, Angehörige von Getöteten und Verletzte ohne Beiordnung thematisiert. Schließlich werden im Sinne eines Handbuchs für die Praxis relevante Musterformulierungen, Anträge etc. zur Verfügung gestellt.
Das Handbuch soll hilfreich für alle diejenigen sein, die
in ihrer Praxis immer wieder mit Fragen konfrontiert sind, die einer wissenschaftlich begründeten und auf Praxiserfahrungen basierenden Antwort bedürfen.

 

14. Bundesweites Vernetzungstreffen Psychosoziale Prozessbegleitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 9. und 10. Mai 2022 findet das 14. Bundesweites Vernetzungstreffen Psychosoziale Prozessbegleitung mit dem Titel „Psychosoziale Prozessbegleitung – Etabliert im Strafprozess!?“ in Hannover statt.

Der Tag wird in Kooperation des Bundesverbandes Psychosoziale Prozessbegleitung (BPP) e.V., des Landespräventionsrates Niedersachsen (LPR) sowie der Koordinierenden Stelle der psychosozialen Prozessbegleitung im Niedersächsischen Justizministerium ausgerichtet.

Sie können sich auf der Internetseite des Landespräventionsrates Niedersachsen www.lpr.niedersachsen.de über die Veranstaltung informieren und sich über das Onlineportal anmelden.

(Anmeldeschluss: 25.04.2022) Die Teilnehmerzahl ist begrenzt!

Das Vernetzungstreffen soll vor allem zertifizierten psychosozialen Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleitern die Möglichkeit bieten, sich bundesweit auszutauschen und sich fortzubilden. Am ersten Veranstaltungstag sind darüber hinaus Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner herzlich eingeladen.

Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen! Aus diesem Grund wird die gesamte Veranstaltung so organisiert, dass Abstände – durch die Größe der Veranstaltungsräume und eine entsprechende Bestuhlung – stets eingehalten werden können und Hygienemaßnahmen, wie ausreichende Möglichkeiten der Handdesinfektion und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, sichergestellt sind. Überdies findet die Veranstaltung unter Einhaltung der 3-G-Regel statt.

Leiten Sie die Ankündigung der Veranstaltung auch gern an Ihre Netzwerke weiter!

Wir freuen uns über eine rege Teilnahme und einen guten Austausch!

Anke Arnold

Programm Bundesweites Vernetzungstreffen 2022 mit Anmeldungsinformation